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Eine anstrengende Reise auf Rogen, Röa und Femundsee


Bewegung ist die beste Medizin!

Das dünne Heft hatte ich schon vor einigen Jahren gekauft. Abgegriffen und ohne Einband stand es zu stark herabgesetztem Preis in der Kram-Ecke eines Ausrüstungsladens bei dem ich noch einige Kleinigkeiten für die nächste Tour besorgte, und während der Verkäufer die bestellten Sachen zusammenpackte hatte ich mich beim Stöbern auch schon festgelesen. "Femundsee und Röa" hieß der Titel und schon bald stand für mich fest, daß ich die beschriebene Tour im Grenzgebiet zwischen Schweden und Norwegen einmal nachvollziehen wollte. Doch wie so oft kam es erst einmal anders, der nächste Sommerurlaub war bereits verplant und auch in den folgenden Jahren wurden zunächst doch andere Ziele angesteuert. Immerhin stattete ich der Wald- und Fjällregion des Rogen-Natur-parkes auf schwedischer Seite zweimal zu Ostern einen Besuch ab und erkundete mit winterfesten Kameraden das Land und die zugefrorenen Seen auf Skiern, mit Rucksack und Zelt auf dem Rücken.

Ein Umzug zum Januar 1994 brachte dann doch noch den entscheidenen Anstoß, denn beim Ein-packen meiner mittlerweile recht stattlichen Kanu-Bibliothek fiel mir das Buch wieder in die Hand und zwischen all den gepackten Umzugskartons wurde der Entschluß gefaßt: Diesmal geht es zu Rogen, Röa und Femundsee!

Nun stehen wir, d. h. meine noch nichts von den kommenden Mühen ahnende Frau Dörthe und ich in Käringsjön, einem Einödhof am Ende einer langen und auf dem letzten Teilstück privaten Natur-straße. Vor uns ein schmaler Graben, der sich durch einen Schilfgürtel zum ersten See windet, neben uns zwei Kajaks mit dem üblichen Berg an unverzichtbarem Gepäck und im Hintergrund der Hof, wo wir unser Auto für die geschätzten zwei Wochen der Tour zwischen zwei Dutzend überwiegend ebenfalls deutschen Wagen abgestellt hatten.

Unsere anfängliche Sorge, daß dann wohl ziemlich viel Betrieb auf den Gewässern herschen müßte, zerstreute sich jedoch schon bei der ersten Portage und wir tauchten von diesem letzten Außen-posten der Besiedlung in eine Naturlandschaft ein, die sich nur dem erschließt, der sich nicht scheut Boot und Gepäck auch mehrmals am Tag ein- und auszuladen und in handliche Traglasten über bis zu 300 m lange Portagen zu befördern. Denn die Einsetzstelle befindet sich nicht am Rogensee, sondern an einer Kette kleinerer benachbarter Seen, die durch kleine aber wegen ihrer geringen Größe unfahrbare Fließstrecken miteinander in Verbindung stehen. Dabei reicht die Palette von nur wenigen 10er m langen Sumpfstücken, die teilweise mit querliegenden Birkenstämmen als Ziehweg hergerichtet sind, bis hin zur Überquerung eines ca. 50 m hohen und 300 m breiten Hügelrückens der einen See vom nächsten trennt.

Der hochsommerlichen Julihitze Deutschlands kaum entflohen, kommen wir auch hier wieder schnell ins Schwitzen, denn Skandinavien hatte 1994 ebenfalls einen ungewöhnlich warmen Sommer. Dazu ist das Gepäck am ersten Fahrtentag am umfangreichsten, die Muskeln noch nicht wieder an die andersartige Belastung gewöhnt und die Technik der Bootsbeladung will auch erst wieder einmal geübt sein, müssen wir doch unsere beiden Habel-Einer bis an die Grenze des möglichen belasten. Ein Canadier wäre hier zum schnellen Be- und Entladen sicher vorteilhafter, beim Treideln in der Röa mit geschlossenen Lukendeckeln bzw. bei einer anschließenden Starkwindfahrt auf dem Femundsee waren wir jedoch froh, die geschlossenen und schlechtwetterfesten Kajaks dabeizuhaben.

So schlagen wir am Ende des ersten Tages rechtschaffen erschöpft unser Lager am Rogsjön, dem letzten See vor dem Rogensee auf und beschließen nach all der Umtragerei diesen See entlang der reich gegliederten Ufer näher zu erkunden.

Immer wieder öffnen sich nach Umrundung weit ausgreifender Landzungen und verwinkelter Inseln neue und beeindruckende Ausblicke auf die nur von einem dünnen grünen Schleier überzogenen Kuppen der Femundsmarka, die einen scheinbar massiven Wall nach Westen bilden und auf den ersten Blick keinen Durchschlupf für die Röa freizulassen scheinen. Wir genießen die Leichtigkeit mit der unsere Kajaks trotz der Zuladung durch die stillen Wasser gleiten und nur ganz vereinzelt zeigt eine kleine Hütte am Ufer oder auf einer Insel, daß diese Region zwar nicht dauerhaft bewohnt, aber dennoch vom Menschen genutzt wird.

Um jedoch unser Tagesziel zu erreichen, heißt es noch einmal unseren gesamten Wildnishausrat über wenige 100 m zu tragen bevor wir staunend an der doch vergleichsweise großen und offenen Was-serfläche des Rogensees stehen. Da der Pfad direkt bei einer privaten Hütte endet fahren wir noch ein paar Buchten weiter um nicht zu stören, Platz gibt es hier schließlich genug und ein halbwegs geüb-tes Auge findet auch relativ schnell eine Auswahl geeigneter Lagerplätze. Während unser Zeltplatz bereits in das Dämmerlicht des ausklingenden Tages eintaucht, leuchten vom gegenüberliegenden Ufer die von der untergehenden Sonne angestrahlten Kuppen des Fjälls herüber und wir können direkt spüren wie in dieser Umgebung die im Alltag mitgeschleppte Hektik einer inneren Ruhe und Ausgeglichenheit weicht.

Auch der Rogensee ist durchaus eine näheren Erkundung wert, überraschend ist dabei insbesondere der fast liebliche Abschluß am südöstlichen Seeende inmitten dieser doch oft recht herben Land-schaft. Was liegt nun angesichts der umgebenden Bergkulisse näher, die gewohnte Perspektive des Kanufahrens einmal zu verlassen und sich von einem der zahlreichen Gipfel einen Überblick zu verschaffen. Ich schnüre also am Ende des Fahrtentages noch einmal meine Stiefel und mache mich mit Karte und Kompaß auf den Weg zum Rutfjället am Südwestufer. Der auch in Seehöhe lichte Wald ermöglicht eine leichte Orientierung während ich angesichts oft von dicken Polstern überwach-sener Blockfelder schon recht genau hinsehen muß, wohin ich meiner Füße setze. Ein angeknackster Knöchel oder sogar ein gebrochenes Bein könnte in diesem abgelegenen Winkel doch recht fatale Folgen haben.

Nach 200 Höhenmetern öffnet sich dann vor mir ein großartiges Panorama. Ein stahlblauer Himmel spannt sich über einer reich gegliederten Seenplatte nach allen Richtungen bis zum Horizont, dessen Konturen bei der klaren sauberen Luft gestochen scharf erscheinen. Kein Zeichen anderer Menschen weit und breit ist zu entdecken, was mich unwillkürlich zu manch wunderlichen Gedanken veranlaßt, bis ich irgendwann wieder aufschrecke und daran denke, ob sich die beim Zelt gebliebene Dörthe nicht doch schon wegen meines längeren Ausbleibens Sorgen macht. Wie es wohl so Frauenart ist, hat sie sich mittlerweile intensiv den praktischen Dingen des Lebens gewidmet, es sich unter Aus-schluß der Mücken mit einem guten Buch im Zelt gemütlich gemacht und probiert, ob der obliga-torische Schokoladenpudding wohl gelungen sei. Auf diese Weise überzeugt, daß das Leben an sich und das Kanufahren im besonderen auch recht angenehme Seiten hat, beschließen wir den Tag, um Kräfte für die bevorstehenden Etappen auf der Röa zu sammeln.

So wie sich nun unser Wasserweg von einem ruhigen See in ein teilweise gefährlich rauschendes Wildwasser verwandelt, so ist auch das Wetter über Nacht umgeschlagen und empfängt uns statt der gewohnten strahlenden Sonne mit einer grauen Wolkendecke und kühlen Temperaturen. Gleich der erste Katarakt der Röa gibt uns einen Vorgeschmack auf die zu erwartenden Schwierigkeiten. Nach der langen Trockenheit des Sommers ist der Wasserstand recht niedrig und die Röa zeigt in Form vieler nur knapp überronnener Steine ihre Zähne. So entscheiden wir uns nach kurzer Besichtigung zum Treideln der schweren Boote, auch wenn die Schnelle im PE-Wildwasserkajak kaum den Adrenalinspiegel steigen lassen würde. Eine unterhalb der Schnelle am Ufer liegende Canadierhälfte zeigt uns jedoch eindringlich, wohin bei diesen Bedingungen falsch verstandener Mut führen kann. Auch so haben wir genug zu tun, die Boote unbeschadet ins Unterwasser zu bugsieren - auch treideln will geübt sein.

Die fest mit Lukendeckeln verschlossenen Kajaks verzeihen jedoch selbst einen Umschmiß und wir können trocken sitzend weiterpaddeln. Wie als Entschädigung für den ungestümen Auftakt sind die folgenden kleinen Schnellen wieder gut fahrbar und bieten uns mit einer bootsgassenähnlichen Schußfahrt sogar einen wassersportlichen Höhepunkt. Zwischen den einzelnen, meist nur wenige 10er Meter langen Schnellen sind perlschnurartig Seen aufgereiht, so daß sich dem Kanufahrer eine von dauerndem Wechsel geprägte Wasserlandschaft darbietet.

Einsetzender kalter Nieselregen dämpft unseren Entdeckerdrang jedoch empfindlich und als sich der vor uns liegende Seeabfluß vernehmlich rauschend um eine nicht einsehbare Kurve empfiehlt schla-gen wir kurzerhand unser Zelt zwischen hohen Felsblöcken auf - was interessieren Tageskilometer, wenn man das nasse T-Shirt mit einer trockenen warmen Fleece-Jacke vertauschen kann! Später am Abend bekommen wir noch Besuch von einem Norweger, der auf dem Weg zu seinem abendlichen Angelplatz ist und gerne auf einen kurzen Schwatz Station macht.

Daß die Röa nicht unterschätzt werden darf, zeigt sich am folgenden Tag. Nachdem wir eine von der staatlichen Forstverwaltung errichtete Blockhütte, die jedem vorbeiziehenden Naturfreund für eine Nacht kostenlos zur Verfügung steht, passiert haben, heißt es zunächst eine zu flache Baumstamm-brücke zu umheben. Wir haben uns gerade an den folgenden sehr idyllischen schmalen See gewöhnt und fahren in eine zunächst leichte Schnelle ein, als sich hinter der nächsten Kurve ein stärkeres Brausen hören läßt und die Ufer gleichzeitig steiler und felsiger werden. Also die schwerfälligen Boote ins nächste Kehrwasser bugsiert und besichtigt: Eine ca. 2 m hohe doppelte Felsstufe mit anschließendem ca. 500 m langen steinigen Schwall legt sich uns in den Weg. nach eingehender Prüfung bietet sich jedoch eine elegante Alternative zum Umtragen. Am rechten Ufer läßt sich bis vor die Stufe treideln, dort werden die Boote nur etwas erleichtert und ins Unterwasser hinabge-hoben, und während ich die Boote den Rest der Schnelle hinuntertreidele, beschäftigt sich die Dörthe auf dem gut erkennbaren Begleitpfad mit dem Handgepäck und findet dabei noch Zeit eine ordent-liche Zwischenmahlzeit aus Heidelbeeren zusammenzupflücken.

Zweimal heißt es für uns heute noch alles aus den Booten zu räumen und jeweils ca. 4 m hohe Kata-rakte zu umtragen. Auch wenn wir nun schon einige Packroutine haben ist die Schlepperei recht anstrengend, zumal immer wieder Blockfelder überquert werden müssen wo jeder Tritt genau über-legt sein will. Endlich gleiten wir über drei kurz hintereinander folgende leicht fahrbare Schnellen auf den Roasten hinaus, ein ca. 4 km langer See auf halber Strecke der Röa. Die Abenddämmerung setzt bereits ein und so steuern wir schnurstracks auf eine helle Uferlinie zu, die sich beim Näher-kommen als feiner weißer Sandstrand mit dahinter liegender Waldebene entpuppt - Paddlerherz was willst du mehr?

Als ich mich am nächsten Morgen nach tiefem Schlaf zum Frühstück aufrappeln will, kann ich mich kaum rühren. Ein Muskelkater wie seit langem nicht mehr dämpft meinen Tatendrang erheblich und erst ein dringendes Bedürfnis läßt mich einige Zeit später tatsächlich aufstehen, wobei ich die Dörthe, der es genauso ergeht, mit der Bemerkung "Bewegung ist die beste Medizin!" vergeblich aufzumun-tern versuche. Kurz und gut, ein Ruhetag ist verdient und wird anhand mitgebrachter Bücher zum Kulturtag umfunktioniert, meine Bemerkung fand im weiteren Verlauf der Fahrt noch vielfältige Ver-wendung bei allen denkbaren Zipperlein.

Das letzte, nochmals gut 5 km lange Stück der Röa wollen wir an einem Tag bezwingen, rund 60 m Gefälle bis zum Femundsee lassen aber noch einige Schwierigkeiten erwarten. Nach entspannter Fahrt über den Roasten zu Füßen des Store Svuku, des mit über 1400 m höchsten Berges der Femundsmarka, geht es auf der Röa auch zunächst flott über eine ganze Serie kleinerer fahrbarer Schnellen, lediglich bei einer, kenntlich an alten hölzernen Einbauten aus früheren Flößertagen tragen wir kurz um. Am Ufer finden sich jetzt überall umgestürtzt Bäume, die kegelförmig abgenagten Stümpfe weisen eindeutig Biber als die Verursacher aus. Auch die Biberburg ist in einem stillen Seearm zu entdecken, die Tiere selber zeigen sich jedoch nicht. Als Kanufahrer kommen wir den dämmerungs- und nachtaktiven Tieren auch nicht weiter in die Quere und überlassen ihnen gerne ihr Revier.

Die Landschaft um uns herum wird nun etwas rauher, große Felsen säumen die Ufer und donnerndes Rauschen kündet von Schwierigkeiten. Über eine 2 km lange Kette von Katarakten, die im einzelnen bis zu 10 m Gefälle aufweisen, stürzt sich die Röa in die Tiefe. Linksufrig führt ein Pfad am Fluß entlang, so können wir erst einmal die gesamte Strecke inspizieren und entscheiden uns schließlich für eine kombinierte Vorgehensweise.

Die handlichen Teile des Gepäcks tragen wir gleich die ganze Strecke, der Rest wird mit den Booten lediglich um die drei Hauptabstürze herumgetragen und die Zwischenstücke mit leichterem Wildwas-ser werden von mir abschnittsweise gefahren und getreidelt. Obwohl die ganze Aktion reibungslos verläuft geht doch einige Zeit darüber hin und als wir endlich alles unten haben versinkt die Sonne gerade hinter den Bergen.

Nach Karte haben wir unser Ziel, die Mündung in den Femundsee aber auch fast erreicht und so ziehen wir noch einmal los. Drei weitere kleine Schnellen (1 x treideln, 2 x fahren) und wir gleiten unter einer Fußgängerbrücke bei der Hütte von Rösanden in den Mündungstrichter, wo wir todmüde unser Zelt aufbauen und den knurrenden Magen notdürftig mit einer Tütensuppe besänftigen.

Die folgenden Tage auf dem Femundsee, dem zweitgrößten See Norwegens sind nach all dem Umtragen wieder mehr der Paddelei gewidmet. Zunächst geht es mit starkem Rückenwind und weißbemützten Wellen nach Süden zu dem kleinen Zeltplatz von Elgå, die heißen Duschen sind doch zu verlockend und der kleine Kaufladen wird zur Auffrischung der Lebensmittelvorräte genutzt.

Eine weitere Nacht verbringen wir in herrlicher Robinson-Einsamkeit auf der Insel Store Solleröya. Hier hatten wir 1991 eine üppige Blaubeerernte gehalten und teilweise gleich vor Ort zu Marmelade verarbeitet, diesmal war jedoch kaum eine Beere zu finden. Ein später Frosteinbruch und dann der lange trockene Sommer hatte diesmal nur wenige Früchte reif werden lassen.

Auf unserem Weg zum Ziel der Kanufahrt, dem Fähranleger von Sörvika am Nordende des Sees machen wir noch einmal auf der Munkfot-Halbinsel Station, auch dies ein Platz den wir von 1991 bereits kennen und ich mache mich nach dem Abendessen auf vertrautem Pfade wandernd auf zur Munkfothögda, einer kleinen Erhebung von deren kahler Kuppe man fast die gesamte Seefläche einschließlich der umrahmenden Bergkulisse im Blick hat. Auf dem Rückweg zum Zelt, das versteckt an einer flachen Sandbucht steht, folge ich einem Wildwechsel und stolpere dabei unversehens über eine Elchschaufel. Die obenliegende Seite ist von der Sonne bereits ausgebleicht, die Unterseite zeigt jedoch noch eine schöne rotbraune Färbung. Stolz wird dieses Fundstück zum Lager gebracht und vorsichtig im Boot verstaut.

In Sörvika angekommen heißt es zunächst einmal umpacken. Die mitgeführten Rucksäcke werden herausgekramt, mit allem Notwendigen für eine dreitägige Wanderung gefüllt und anschließend die Boote mit dem Rest der Ausrüstung am Fähranleger zurückgelassen. Wir wollen nämlich unser Auto per pedes über gut 40 km einsame Wanderwege quer durch die Femundsmarka und Rogen-Natur-reservat wieder erreichen. Doch erst einmal stehen wir noch etwas ratlos in Sörvika, denn nirgendwo weist ein Schild in die Richtung unseres ersten Etappenzieles nach Nordvika. So folgen wir dem einzigen Weg, der grob in unsere Richtung führt, sich jedoch bald mit Verzweigungen in einer neuen Ferienhaussiedlung verliert. Erst nach mehrmaligem Fragen finden wir endlich unsere Pfadspur, die nur mit vereinzelten Steinpyramiden gekennzeichnet ist.

Gerade warmgelaufen erreichten wir die Bucht von Nordvika mit dem gleichnamigen Hof auf dem gegenüberliegenden Ufer. Laut unserer allerdings schon älteren Information sollte es hier Ruder-boote zum Übersetzen geben, davon war jedoch keine Spur mehr zu sehen und auch der Einödhof ist mittlerweile verlassen und dient den Eigentümern nur noch sporadisch als Wohnstätte. Umkehren kam für uns nicht in Frage, also schlagen wir uns am Ufer entlang durch, schließlich soll 2 km nörd-lich ein Wanderweg verlaufen, der den nördlichen Seeabfluß mit einer Brücke quert. Erleichtert atmen wir auf als wir die Floßrinnen erreichen, die hier eine sicher auch für Kanufahrer interessante Verbindung zum Feragensee darstellen. Als im Uferwald dann auch noch eine Hütte auftaucht ist die Freude perfekt, denn mittlerweile hat es angefangen zu nieseln und da ziehen wir doch diese feste Unterkunft vor. Es handelt sich dabei um eine alte Flößerhütte, die von der Forstverwaltung unter-halten wird und dem Wanderer für eine Nacht offensteht. Drinnen befindet sich alles notwendige: Schlafpritschen, Tisch und Bänke sowie ein Ofen der schnell heimelige Wärme verbreitet. Im Hütten-buch schmökern wir den ganzen Abend in den Eintragungen unserer Vorgänger und entdecken so manche interessante oder lustige Schilderung.

Unser Weg führt, zunächst noch recht breit hergerichtet, am Hof Nordvika vorbei, wo wir dann auf die unmarkierte Wegspur entlang des Flüsschens Mugga einbiegen. Oftmals nicht viel mehr als ein Wildwechsel schlängelt sich dieser Pfad durch Sumpfland und über kleine felsige Höhenrücken. Immer wieder geht es auch am Ufer der Mugga entlang, die offensichtlich ganzen Heerscharen von Bibern Wohnraum bietet, denn stellenweise ist der Birkenwald von diesen kräftigen Nagern bereits arg gelichtet.

Nach 8 km erreichen wir am frühen Nachmittag die Anfang der 80er Jahre wiederhergerichtete Hütte von Långmyra, die uns derart idyllisch durch ein Birkenwäldchen anschaut, daß wir spontan beschlie-ßen hierzubleiben und die ganze Wanderei etwas gemütlicher anzugehen. Berge von Holz werden ofengerecht zugehackt und damit gleich der recht kleine Vorrat unter dem überstehenden Grasdach ordentlich wieder aufgefüllt. Der fast den ganzen Tag andauernde Nieselregen hat uns denn doch ganz schön ausgekühlt, so daß wir nun die Ofenwärme genießen und alle feuchten Sachen unter dem Dach zum Trocknen aufhängen.

Abends schaute noch ein Norweger vorbei, der in abgelegenen Sumpfgebieten Multebeeren gesam-melt hat - 9 Liter waren die stolze Ausbeute guter Ortskenntnis und eines flotten Wandertempos. Er berichtete uns auch noch, daß in der Gegend in den vergangenen Tagen häufiger Moschusochsen gesehen wurden, aber soviel wir auch am nächsten Tag durch die allmählich immer spärlicher wach-senden Birken- und Kiefernwälder spähten, wir bekamen keine zu Gesicht. Kurz hinter dem See nedre Muggsjoen mit herrlichen Sandstränden inmitten einer kargen und etwas melancholischen Landschaft stießen wir auf einen markierten Wanderweg, so daß die topographische Karte fortan öfter mal Pause hatte und wir auf der mittlerweile fast kahlen und flach zum Skedbrofjället hin ansteigenden Hochebene etwas zügiger ausschreiten konnten. Nach der kurzen gestrigen Etappe wollten wir heute noch eine bewirtschaftete Hütte auf schwedischer Seite erreichen, so daß wir auch in der winzigen Hütte auf dem Skedbrofjäll lediglich eine Mittagsrast einlegten. Diese Hütte, die gerade zwei Personen Platz bietet ist privat, steht aber dennoch offen und darf auch zur Übernach-tung benutzt werden - ein großer Vertrauensbeweis, aber möglicherweise auch lebensrettend, sollte man hier einmal vom Gewittersturm überrascht werden.

Auf der Paßhöhe angekommen lassen wir unsere Blicke noch einmal weit über die sanft geschwun-genen Formen der Femundsmarka gleiten bevor wir über einen Rentierzaun auf die schwedische Seite überwechseln und über einen steilen Geröllabstieg wieder in dichte Wälder eintauchen. Eine sehr komfortable Nacht verbringen wir in der großen Skedbrostugan, die wir uns lediglich mit zwei Deutschen teilen, und so werden den ganzen Abend noch Erlebnisse und Erfahrungen ausgetauscht. Ein letztes Mal schultern wir nun die schweren Rucksäcke bevor wir nach 3 1/2 Tagen Fußmarsch unser Auto wohlbehalten in Käringsjön wiederfinden. Die Freiluftsaison ist nun Mitte August offen-bar vorbei, denn unser Wagen ist mittlerweile der einzige auf dem Parkplatz und nachdem wir uns bei den Bewohnern zurückgemeldet haben, nehmen wir Abschied von dieser wilden schönen Landschaft, die uns zwei Wochen lang einige Strapazen abverlangt, uns aber auch mit vielen Eindrücken und Erlebnissen bereichert hat.

Reinder und Dörthe van der Wall

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