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Oder oder Ecker?

Anfang Januar ist es und so warm, wie in anderen Jahren gerade mal zu Ostern. Das Telefon klingelt und nach Austausch der angemessenen Neujahrswünsche kreist das Gesprächsthema schnell um Befahrungsmöglichkeiten Harzer Wildwasser die, mit Ausnahme der Oker, eine Befahrung im Regelfall nur zur Schneeschmelze oder nach ergiebigen Regenfällen zulassen. Wieder einmal ist die Oder zwischen Oderteich und Talsperre im Gespräch, die nach Auskunft eines anwohnenden Forstmannes gut Wasser führen soll. Schnell wird ein vierköpfiges Expeditionskorps zusammengestellt, die Thermosflasche (aus Stahl und daher wildwassertauglich) mit heißem Tee gefüllt und der sonstige Ausrüstungskram im Auto verpackt.

Samstags noch im Dunkeln am Bootshaus treffe ich mich dann mit Kristian (als ausgewiesener Kenner der Oder unentbehrlich) und Oli (mittlerweile wohl mit fast allen Harzwassern gewaschen), der überraschenderweise seine Eltern zu einem Ausflug ins Grüne mit anteiligem Autoumsetzen überreden konnte. In gemütlicher Enge geht es in ebenso gemütlicher Geschwindigkeit zum Treffpunkt am Oderteich, wo wir uns mit Jochen (gibt es überhaupt unfahrbare Wehre?) und Katja aus Magdeburg verabredet haben. Die Oder rauscht gewaltig über einen Wasserfall unterhalb des Überlaufes aber ein Blick auf den Pegel und den weiteren Flußverlauf zeigt uns, daß es wieder einmal nicht reicht. Es fehlten noch glatte fünf cm zum Mindestwasserstand. Auf diese Hiobsbotschaft folgt schnell der Gedanke an die anderen Harzflüsse. Jochen und Katja waren auf der Herfahrt in Stapelburg über die Ecker gekommen, die dort recht vielversprechend aussah und so wurden die Autos die gerade erst mühsam erklommene Torfhaussteigung wieder hinabgeschickt und zu einem Waldparkplatz in der Nähe des Radauwasserfalles dirigiert.

Die nun folgende Passage übergehe ich besser, denn bis zum Ziel seiner Träume wartet jetzt noch ein ca. 3,5 km langer Weg auf den erwartungsfrohen Kanuten. Die Forststraße, die direkt zum Wasserwerk der Eckertalsperre führt ist zwar geteert und somit Bootswagentauglich, aber als Zugang zum Wasser denn doch erschreckend lang. Kurzum, wer dann am Fuß der recht gewaltig aussehenden Schwergewichtsstaumauer steht und auf das kochende Wasser am Grundablaß schaut, hat sich das folgende Wildwasservergnügen wohl verdient.

Bis Stapelburg, das direkt am Nordrand des Harzes liegt, sind nun auf 10 km Strecke rund 275 Höhenmeter zu bewältigen. Wer sich bereits intensiver mit Wildwasser auseinandergesetzt hat, erkennt daran bereits daß uns ein recht ordentliches Gefälle erwartet, und so werden unsere Boote auch gleich nach Wasserung um die nächste Kurve herumgerissen. Atempausen gibt es erst einmal wenig. Mit hoher Geschwindigkeit rauscht die Ecker auf dem tief eingeschnittenen Talgrund dahin und nur selten tut sich ein gerade bootslanges Kehrwasser am Ufer auf. Viel Zeit zum Einfahren bleibt nicht. Erste Blockstrecken zwischen abgerundeten Felsen formen einen rasanten Naturslalom und bei den ersten Felsstufen bin ich froh mit Oli und Jochen bereits Ecker-erfahrene Paddler dabei zu haben. Bei der Geschwindigkeit und wenigen Kehrwässern wäre ein Anhalten vor den Stufen selbst in Kleingruppen kaum möglich und so vertraue ich auf meine Vorfahrer und darauf, daß das Unterwasser wohl frei sein wird. Die bis zu zwei Meter hohen Felsstufen sind jedoch alle sauber und nach tiefem Eintauchen im verquirlten Tumpf ist endlich Gelegenheit mal einen Blick zurück zu werfen. Da für den Fotografen eine Zweitbefahrung von Jochen durchgeführt wird sitze ich nun quasi in der ersten Reihe des Spektakels.

Da die Ecker normalerweise ab der Talsperre als Trinkwasser über eine Druckrohrleitung via Braunschweig nach Wolfsburg geleitet wird liegt der Flußlauf die meiste Zeit des Jahres trocken. Lediglich in den Wintermonaten wird über den Grundablass Wasser abgegeben um entsprechendes Rückhaltevolumen für die im Frühjahr erwarteten Schmelzwässer zu haben. Dies bedeutet aber auch, daß richtige Hochwasserwellen im Flußbett fehlen und somit umgeknickte Bäume und Totholzverhaue nicht weggespült werden. Dies bekommen wir auf der Folgestrecke mehrfach zu spüren. In einigen Fällen gelingt es uns noch knapp überspülte Stämme zu überfahren, so manches Mal müssen wir aber auch diese natürlichen Paddlerrechen am Ufer umgehen. Bei einer solchen Aktion erwischt es mich dann, ein Überfahrungsversuch mißlingt, ich bekomme Überwasser und sage den Fischen guten Tag. Den drohenden Baum vor mir zögere ich nicht lange und stehe im gut knietiefen Wasser neben dem Boot bevor mir auch nur ein Ast zu nahe kommt - die Badesaison 1998 ist hiermit eröffnet!

Da ist es doch sehr beruhigend, daß auch die anderen so ihre Schwierigkeiten hatten. Kurz nach meinem Malheur fädelte Oli sein Paddel in einem Baum ein und konnte sich nach erfrischendem Kopfbad nur durch eine schnelle Handrolle in Sicherheit bringen. Die Paddelbergung verschaffte mir noch einmal kalte Füße.

Bei nur sehr allmählich nachlassenden Schwierigkeiten weitet sich das Tal nun bereits und läßt mehr und mehr von der warmen Januar-Frühlingssonne bis auf den Grund hinunter. Erste Brücken tauchen auf und linkerhand sind die Gebäude und Lagerflächen einer Altpapierverwertung zu sehen. Gleich nach Unterquerung der ehemaligen Eisenbahn von Bad Harzburg nach Stapelburg befindet sich linkerhand ein Parkplatz auf dem wir unsere Landmannschaft wiedertreffen und in der wohlig wärmenden Sonne eine ausgiebige Mittagsrast abhalten. Wer nur auf sportliches Wildwasser aus ist, kann hier die Fahrt nach 10 km beenden und mit dem Bus (einmal umsteigen in Bad Harzburg) sein Auto nachholen.

Einen schönen Ausklang bieten jedoch auch noch die folgenden 5 km bis zur Brücke von Abbenrode nach Lochtum. Gleich nach dem Wiedereinstieg folgt ein hohes Steilwehr, welches rechts umtragen oder mittig gefahren werden kann. Obwohl das Gefälle nun schon deutlich abgenommen hat strömt die Ecker nach wie vor sehr schnell um die Kurven. Zunächst geht es durch die Ausläufer des Schimmerwaldes, einem sehr schönen lichten Laubwald, wobei das linke Ufer streckenweise von mehrere Meter hohen plattigen Kalkfelsen gebildet wird. Weitere Baumhindernisse sorgen dafür, daß der Adrenalinspiegel oben bleibt, obwohl nun alles schon etwas offener und spielerischer abläuft. Mit Austreten in eine Wiesenlandschaft wird die Fahrt von einem hohen unfahrbaren Wehr unterbrochen, bevor der Ort Abbenrode erreicht wird. In der Ortslage folgt noch ein weiteres, besser rechts zu umtragendes Wehr sowie eine niedrige Wegebrücke bis zum Ausstieg an der Brücke nach Lochtum. Die Fahrt ließe sich auf weiterhin flottem Stromzug noch bis in die Mündung in die Oker hinein fortsetzen, wobei noch mindestens zwei Wehre zu bewältigen sind.

Kurzinfo Ecker:
Schwierigkeiten: anfangs WW 3 - 4, nur allmählich abnehmend, Baumhindernisse!

Befahrbarkeit: an der Brücke Stapelburg sollte der Wasserstand eingeschätzt wer- den, Befahrung erfolgte bei Pegel 35 cm am Wasserwerk an der Talsperre. Nach Infotafel auf der Staumauer wird regelmäßig von November bis Januar der Wasserspiegel abgesenkt.

Zugang: mit Bootswagen über 3,5 km Forststraße vom Radaufall.

RvdW

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