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Rundkurs Norddeutschland

17 Tage auf 10 Gewässern


Bederkesakanal

Nach dem Fahrtenbericht findet Ihr noch einen Infokasten und eine Etappenübersicht.

Von Robert Waltemath

Nun, nach Tagen hat sich am ganzen Körper die richtige Paddelmuskulatur ausgebildet, anstelle der Blasen an den Händen hat sich mit dem überflüssigen Umweg über wunde, schmerzende Stellen schützende Hornhaut gebildet, die der Sonne ausgesetzten Hautpartien werden nicht mehr rot, sondern sind leicht gebräunt. Ich weiß, wie ich das Boot in welcher Situation am besten packe, und dass ich vielleicht doch besser eine Petroleumlampe mitgenommen hätte. Einzig und allein das Patentrezept gegen grantige Schwäne steht noch aus. Kurz und gut: Jetzt kann dann endlich die richtige(?) Paddeltour losgehen.

Ostersamstag, 31. März 2002, KGNO-Bootshaus Thune

Der gelbe Eski ist voll beladen, auch der Bootswagen gut verstaut(!), also schleppe ich das Boot bei strahlendem Sonnenschein zum Schunterufer. Kaum angekommen bin ich das erste Mal völlig fertig. Hinsetzen, durchatmen und dann aber nichts wie los. Beim ersten Schunterwehr wiederhole ich die Zieh-/Schleppprozedur. Abermals völlig erschöpft kommen die ersten Zweifel: Da standen doch noch mehr Wehre im Flussführer?!

Die Schunter hat noch einen recht guten Wasserstand, so dass die steinigen Schwälle dem Boot nur wenig anhaben können. Kaum losgepaddelt bin ich auch schon auf der Oker, beim ersten Wehr überwinde ich mich und krame den Bootswagen vor: Kaum zu glauben, was einfachste Mittel für Erleichterungen schaffen können. Die Zweifel verschwinden, die Sonne strahlt. Erst am Nachmittag bezieht sich der Himmel, es bleibt aber warm.

Nicht für immer: Die Nächte zeigen sich Anfang April doch noch empfindlich kühl (ich schätze 5°C oder weniger), die Hand am metallenen Müsliteller wünscht sich einen Handschuh. – Auch zu Ostern hat warmer Tee noch seine Berechtigung.

Die Bootsgasse des Allerwehres Langlingen ist prinzipiell offen (es fließt), aber mit einem Brett versperrt (ob absichtlich oder nicht wird mir nicht ganz klar). Also umtrage ich flott, schließlich sehne ich seit der Entdeckung des Bootswagens die Wehre nur so herbei. Die nächste Bootsgasse ist immerhin fahrbar.

Begegnungen

Die Sonne siegt über den anfänglichen Hochnebel; da kommt Freude auf und es schallt schonmal ein "Frohe Ostern!" übers Wasser. Ich bin schnell wieder beim T-Shirt und die morgendliche Kälte verziehen. Kurz vor Celle kriecht eine hübsche junge Lady in Schwarz durchs Unterholz Richtung Ufer hinter einen grünen Busch, um sich augenscheinlich gegen neugierige Blicke vom Weg abzuschirmen. Dass auch von der Wasserseite Gefahr drohen könnte, hat sie wohl übersehen. [...]

Die Begegnung zwingt mich förmlich meinen Ohrwurm zu ändern und so genieße ich zur Verwunderung einiger Spaziergänger laut singend und (nach der zweiten Strophe verlässt mich der Text) pfeifend die letzten Kilometer motorschifffahrtsfreien Flusses. Parkähnliche Landschaften, Schilfgürtel, Altarme und Angler, all das fügt sich zu einem harmonischen Ganzen. "She came to me one morning ..."

Der Pegel unterhalb von Celle steht bei knapp 230 cm: Laut Flussführer gut 20 cm über dem mittleren Wasserstand. So kann man auch schon mal den Blick über die Landschaft ringsherum schweifen lassen, die sich bewaldet mit einzelnen idyllischen Bauerndörfern zeigt.

Ab jetzt bin ich auch nicht mehr allein. Motoryachten, ein Fahrgastschiff und sogar eine Gruppe Paddler begegnen mir auf der Weiterfahrt. Ein eifersüchtiger Schwan scheint es für nötig zu halten sein Weib zu beschützen; er verfolgt mich ein paar hundert Meter mal schwimmend, mal fliegend – jedenfalls immer leicht fauchend und mit gespreiztem Gefieder: leichtes Unbehagen meinerseits. Nicht dass der Schwan das einzige tierische Wesen war, dem ich auf diesem Flussabschnitt begegne: Bisam, Enten, (Wild-)Gänse, Eisvögel, Graureiher, brütende Störche, verschiedene Greifvögel und was der Paddler sonst so kennt (und es sollte noch besser kommen ...).

Das Wehr Bannetze ist bei diesem Wasserstand noch offen, so dass mir das Umtragen erspart bleibt – auf der Schleuseninsel findet sich auf Nachfrage ein idylischer Zeltplatz mit Sonne bis zum Schluss. Und der Osterwetterbericht verheißt Gutes ...

Dem Meer entgegen ...

Um diese Jahreszeit ist frühes Aufstehen angesagt. Der sonnige Tagesabschnitt ist etwa 13 Stunden lang, wovon man Frühstück, Einpacken, Mittagspause, Zeltaufbauen und Kochen – Tätigkeiten, die man lieber im Hellen verrichtet – abziehen muss. Also klingelt der Wecker um 6.30 Uhr, um 6.40 Uhr gibt's den Seewetterbericht auf Deutschlandfunk, den ich inzwischen endlich über Mittelwelle gefunden habe.

Mein Ziel für den Mittag ist die Leinemündung; ein Motorboot, zeltende Paddler beim Frühstück, einige Angler und viele Vögel – trotzdem wirken Fluss und Ufer am Ostermontag wie ausgestorben. Einige Schilder an Altarmmündungen weisen diese als "Laichschongebiete" aus: Anglerreservate?


Storch (Aller)

Die Aller verändert jetzt auch merklich ihr Gesicht: Sie ist wesentlich breiter und die gute Strömung lässt auch am berüchtigten "dritten Tag" keine Müdigkeit aufkommen. Das Wehr Hadensdorf ist erwartungsgemäß ebenso offen und mit dem Wasser der Leine heißt es nun: Freie Fahrt in die Weser!

Kaum erreicht, verlässt mich dann auch der Mut. Die Weser so ungewohnt groß, das Wehr Langlingen so mächtig, leichter Sonnenbrand und das Umtragen etwas mühsam. Wohl das gewöhnliche Nachmittagstief, denn ich besinne mich wenige Kilometer später. Schließlich paddle ich seit Tagen bei Sonnenschein und Wärme mit Rückenwind – was will man mehr? An diesem Tag schaffe ich dann auch meine bisher längste Strecke.


Weser, Wehr Langlingen

... mit Hindernissen

Aber nicht viel weiter zeigt mir die Weser, dass sie auch auf dieser Tour nichts davon hält, es einem leicht mit der Freundschaft zu machen. Starker Ostwind und kilometerlang riesige Spundwände: die ersten ernstzunehmden Wellen und dann gleich solche. Ich werde den Bremer Hafen wohl nicht in guter Erinnerung behalten. Durch die widrigen Windverhältnisse brauche ich länger als geplant für die Strecke auf der Unterweser, die sich danach aber im Windschatten des rechten Ufers recht freundlich gestaltet.

Zu meinem Glück komme ich auf diese Art zu der Bekanntschaft der sehr gastfreundlichen Wassersportler Nordenhams (Arno-Günther kam mir durch den Schlick schon mit einem Bootswagen entgegen, danke!). Da der Paddeltag hier mit dem Niedrigwasser um 15 Uhr endet, kann ich noch etwas beim Bau der Betonrampe zuschauen/helfen.

Was ich nicht gleich wusste: Dies sollte nicht die einzige Nacht in Nordenham bleiben. Starker Wind (7-8, in Böen 9) immernoch aus Ost zwingt mich am Morgen das Boot unbenutzt wieder auszupacken. Inzwischen habe ich diesen Verein liebgewonnen und fühle mich richtig wohl hier. Klamotten waschen, Einkaufen gehen, lesen und Nordenham angucken sind die Beschäftigungen dieses unfreiwilligen Ruhetages.

Paddeln im April?

Hochwasser 9.10 Uhr, Wind 3-4 aus Nordost – Das ist meine Chance. Wenigstens habe ich bei dem Gegenwind die Wellen senkrecht zur Fahrtrichtung. Als die "Skyline" Bremerhavens zunehmend größer wird, bekomme ich ein leichtes Kribbeln in der Magengegend: hinter der letzten Weserbiegung sieht man geradeaus nichts als Wasser. Ich verkrieche mich flott zwischen den befeuerten Molen in den sicheren Hafen und fahre geradedurch gegen den Tidenstrom in die Geeste.

Dass Paddeln um diese Jahreszeit noch nicht zu den alltäglichsten Freizeitbeschäftigungen zählt, habe ich schon öfter zu spüren bekommen. Von erstaunten Bootshausbewohnern über halbgeschlossene Campingplätze bis zu gänzlichem Unverständnis. Der erste Gast 2002 bin ich wohl nicht nur einmal gewesen. Der angenehme Nebeneffekt: Vielerorts ist auch die Kasse noch gut verstaut, ich nächtige demnach zum Nulltarif. Beim KV Unterweser ist gerade "Arbeitsdienst" – ich darf zwischen ein paar Farbeimern meine Blase erleichtern.

Die Geeste zeigt sich hinter Bremerhaven als idylischer Wiesenfluss, trotz gegenteiliger Aussagen gibt es leider Strömung, gegen die ich anpaddeln muss. Vielleicht weil alle Schleusen, die ich heute passiere, ohne Höhenunterschied geöffnet sind.

Als die Windungen zum schnurgeraden Kanal werden, wird es langsam eintönig, erst gegen Ende, als das Tagesziel in greifbare Nähe rückt und der Kanal durch ein Waldstück führt, kehrt die Motivation zurück.

Der zweite Kanaltag begrüsst mich mit dichtem Nebel, der sich erst am späten Vormittag verzieht. Ich versuche die letzten dreißig Kilometer Kanal so gut und schnell wie möglich hinter mich zu bringen. Gegen Ende zeigen sich dann schon die Vorboten des nächsten Tages: Ein Radarturm und Schifffahrtszeichen am Elbufer. Ich werfe noch einen Blick über den Deich und gehe dann mit der Sonne zu Bett (naja, eher Schlafsack ...).

Landeinwärts, elbaufwärts

Niedrigwasser ist früh. Viel zu früh: kurz vor sechs Uhr. Früher als sechs will mein Wecker mich nicht wecken, ich schlafe aber im Bootshaus und spare mir so das Zeltabbauen. Um 7.30 Uhr geht's los. Snacks und Mittagsbrote gibt es auf dem Wasser, weil das linke Elbufer (meine Seite) überall Naturschutzgebiet ist. Erst 40 km weiter ist auf dieser Seite ein Campingplatz. Miese Aussichten, besonders da um 13.30 Uhr wieder Hochwasser ist. Also was solls: Paddeln, paddeln, paddeln, ...

Die Elbe ist riesig, die Schiffe sind nicht kleiner, wie so oft auf dieser Tour komme ich mir klein und verloren vor. Irgendwann hinter Brokdorf muss ich meinen Zweifeln recht geben und mir eingestehen, dass ich die 40 km nicht schaffe. Aber was jetzt? Im Naturschutzgebiet..? Nur im allerletzten Notfall! Anderes Ufer? Mehrere Kilometer entfernt. Suchen, gucken ... da: Eine Fähre! Wo eine Fähre anlegen kann und darf, kann ich das auch, denke ich mir, aber weit gefehlt. Die Fähre ist größerer Natur und nicht eine sondern vier im fliegenden Wechsel.


Elbe, Hanskalbsand


Elbe, Hanskalbsand

Bei der Aktion bin ich in einem Nebenarm, der "Wischhafener Süderelbe", gelandet, den ich – schon relativ verzeifelt – dann noch etwa drei Kilometer ins Land verfolge. Zum Glück gibt es dort einen Yachtclub, bei dem das Zelten kein Problem darstellt. Des Nachts werde ich überflüssigerweise auch noch von Tieffliegern im Dauereinsatz terrorisiert. Soviel zum Thema "Begrüßung auf der Elbe".

Die Ruhe vor dem Sturm

Nach einem etwas schwierigen Start im Hafenschlick kaum losgepaddelt begrüßt mich die Elbe wie gewohnt freundlich mit einer Flutwelle. Ja richtig, eine Flutwelle, die mir durchs Tor des Hochwassersperrwerkes entgegenschäumt. Die Spritzdecke verhindert schlimmeres.

Nach Verlassen des Fährhafens geht es mit guter Strömung elbaufwärts. Immer wieder zeigen sich heute zwischen den Inseln einige neugierige Augen: Seehunde. Eher interessiert als ängstlich begleiten sich mich ein Stück weit oder schauen mir während einer Treibpause beim Essen zu.

Nach Mittag sehe ich dann die ersten paddelnden(!) Paddler auf dieser Fahrt. Nicht nur einen, nein, gleich zwei oder drei – unterwegs in alle Richtungen. Meine Anwesenheit scheint sie aber nicht weiter zu beeindrucken und so paddelt jeder seines Weges.

Ein am Zeltplatz Lühesand im Aufbruch befindlicher Paddler empfiehlt mir die nächste Insel, Hanskalbsand, als Übernachtungsplatz. Sie ist schön mit Sandstränden gelegen, etwas beunruhigen tun mich lediglich die zeltartigen Unterschlüpfe am Waldrand – scheint aber niemand da zu sein.

Meine „einsame" Insel

Was die Bedeutung der Zelte angeht, bleibt es bei Vermutungen, dafür statten mir drei dreizehnjährige Jungens einen Besuch vom "Festland" ab. Ein paar Geschichten aus dem Leben eines Siebtklässlers und schon sind sie mit ihrem neuen Außenborderschlauchboot wieder abgedampft. Die kurz darauf auftauchende Familie ist weniger gesprächig und so geniesse ich bald wieder die Ruhe meiner einsamen Insel ...

Hier kann ich dann auch endlich mal ausschlafen, da ich erst gegen Mittag mit dem Niedrigwasser los muss. Der Besonderheiten nicht genug zeigt die Insel auch noch ein besonderes Klima: Beim morgendlichen Teekochen klimperts im Wasserkanister. Auf dem Wasser, wechsele ich ziemlich bald ans linke Ufer, um etwas Windschutz zu bekommen. Außerdem kann ich so vor Hamburg noch eine Pause beim Bootshaus VdE/FG einlegen.

Der gute Mann, der dort gerade sein Faltboot verpackt, erklärt mir kurzum, er würde nun schon 25 Jahre paddeln, aber durch den Hamburger Hafen? Das steigert meinen ohnehin schon geringen Mut verständlicherweise enorm.

Er ist aber sehr freundlich und gibt mir anhand der Karte noch nützliche Hinweise. Ich bin etwas unschlüssig, ob ich heute weiterpaddeln soll, da starker Gegenwind: laut Radio Windstärke fünf bis sechs. Aber was solls, muss ich durch.

Die Krise

Es geht auch alles recht gut, bis ich kurz vorm Museumshafen trotz Tidenstrom das Gefühl habe, auf der Stelle zu paddeln. Und bei diesem Wind soll ich quer durch den Hamburger Hafen in die Süderelbe überfahren!? Ich verschiebe dieses Vorhaben schon jetzt gedanklich, lege eine Pause am letzten Sandstrand ein und esse die vorbereiteten Mittagsbrote.

Aber was jetzt? Die neun Kilometer zum Verein zurückpaddeln? Die Befragung einiger Leute ergibt, dass eine Jugendherberge in erreichbarer Nähe liegt: Landungsbrücken. Über eine Stunde zu Fuß mit Boot. Unterwegs versuche ich noch einige Hamburger Paddelvereine zu erreichen, aber inzwischen ist mein Akku fast leer, das Handyguthaben zuende und die Telefonzelle, an der ich haltmache, ist kaputt.

Dies ist das erste Mal, dass ich die erstaunten Blicke der Passanten verstehen kann, als ich das Boot Richtung Hamburger Innenstadt schiebe. Der Mann von der Rezeption hat auch noch nie ein Kajak in seinen Fahrradraum geschoben, aber immerhin komme ich hier erstmal unter.

Gedanken an S-Bahn, Auto-Umtragen, Fähre, zu Fuß zur Süderelbe rollern, zurück zum Verein oder aufgeben und am Wochenende abholen lassen ... Seewetterbericht gibt's hier auch nicht – kein Empfang.

An diesem Abend kann ich nichts mehr erreichen, um meine Lage zu verbessern, also falle ich todmüde in das erste richtige Bett seit eineinhalb Wochen.


Hamburg

Die Wende (2002)

Nach den letzten erfolglosen Telefonaten am nächsten Morgen (die Telefonkarte ist nagelneu, mit einer Motoryacht drauf und einem schwärmerischen Spruch) beschließe ich: Auf's Wasser! Mit dem Jugendherbergsfrühstück im Magen rollere ich zurück nach Oevelgönne. Die Tide steht zwar gegen mich, aber es ist wenig Wind, also jetzt oder nie!

Eine halbe Stunde später bin ich auf der Süderelbe und paddle im Windschatten des linken Ufers elbaufwärts. Alle Aufregung umsonst? Naja, die Erinnerung an das vorherige Mal in umgekehrter Richtung ist auch nicht viel besser ...

Nun ist es nicht mehr weit, bis ich in Geesthacht endlich die zeitraubende Tide hinter mir lassen kann. Der Schleusenmensch ist so freundlich, mich mit vier Binnenschiffen in die Schleuse zu quetschen, zum Glück verhalten die sich aber einigermaßen mitfühlend. Nach stundenlanger Ladensuche in Geesthacht bringe ich noch die neun endlosen Kilometer (wer hat hier eigentlich die Kehrwasser wegrationalisiert?) stromauf bis zur Mündung des Elbe-Seiten-Kanals hinter mich.


Elbe-Seitenkanal, Schiffshebewerk Scharnebeck

Heimatgefühle

Ein ruhiger gerader Kanal, diese ordentlichen Brücken, so langsam wird das Gefühl immer stärker, mal wieder nach Hause kommen zu wollen. Die neun Kilometer bis Scharnebeck sind zunächst recht erholsam, dafür bin ich beim dortigen Schiffshebewerk nicht angemeldet (weil ja Handy-Guthaben weg) und muss nun zittern. Warten, gucken, suchen ... Da endlich kommt ein Binnenschiff von hinten – fährt in die Kammer und verschwindet aufwärts. Aus der Traum!

Demonstrativ paddle ich im großen Bogen zurück Richtung Ausstiegsstelle, da schallt es aus den Lautsprechern: "Das Kajak kann jetzt Steuerbord einfahren, wenn es noch hoch will!" Gewonnen?

Einige Kilometer weiter am Sperrtor treffe ich auf eine Ansammlung neugieriger Kanalbesucher. Was die wohl wollen? Nun, einmal in zehn Jahren werden Teile des Kanals abgelassen, um Reparaturarbeiten durchzuführen. Ratet mal wann ...

Das bewahrheitet sich dann auch tags drauf für die Schleuse Uelzen: Die ist definitiv leer und so muss ich umtragen – begleitet von hungrigen Anglermäulern auf der Jagd nach abgelassenen Kanalabschnitten. Was hat Fische einsammeln noch mit angeln zu tun?

The End

Leider werde ich auch seit zwei Tagen von äußerst nassem penetrantem Dauerregen begleitet und entsprechend fühlen meine Ausrüstung und ich sich auch. Die Aussicht für die letzte Nacht ist eine Kanalbrücke, unter der der Wind durchpfeift, weit und breit kein Verein oder Campingplatz. So fasse ich den schweren Entschluss, der Lungenentzündung vorzubeugen und mich eine Tagesetappe vom Ziel entfernt abholen zu lassen. Ich tröste mich damit, dass dies kein Aufgeben ist, da ich den letzten Abschnitt fast auswendig kenne und dort auch keinerlei Hinderniss mehr zu erwarten ist, sondern nur noch knapp 50 Kilometer schnurgerader, langweiliger Kanal. Die kann ich ja später noch nachholen ...

Robert

Informationen zur Norddeutschlandrundfahrt

Strecke. Schunter (wahlweise; 6 km), Oker (32 km), Aller (145 km), Weser (bis Bremerhaven; 106 km), Schifffahrtsweg Elbe-Weser (Geeste–Hadelner Kanal; 62 km), Elbe (mit der Tide aufwärts; 139 km), Elbe-Seiten-Kanal (115 km), Mittellandkanal (km 233,5–222,5; 11 km).

Insgesamt 616,4 km. Start- und Zielpunkt sind prinzipiell frei wählbar.


Beste Reisezeit. Im April sind die Nächte oft noch recht kalt, ansonsten hatte ich zwei Wochen keinen Tropfen Regen. Im (Früh-)Sommer ist es sicher angehmer von den Temperaturen und man kann auch mal im Fluss baden. Schön ist es sicher auch im Herbst mit beginnender Laubfärbung.

Dauer. Die Tour ist bei flottem Paddelstil und gutem Wetter in zwei Wochen gut zu schaffen. Je nach Wetterzwangspausen, freiwilligen Ruhetagen und Ausflügen ins Umland sollte sie in höchstens drei Wochen machbar sein. Die Tagesetappen lassen sich recht gut während der Fahrt anhand von Flussführer/-karte festlegen.

Übernachtung. Die Übernachtung in Bootshäusern oder im Zelt auf Vereinszeltplätzen ist meist problemlos möglich. Zusätzlich gibt es häufig offizielle Campingplätze am Wasser und einige freihe Zeltmöglichkeiten (s. Flussführer).

Voraussetzungen. Etwas Ausdauer und Geduld bei schlechtem Wetter. Außerdem Kenntnisse im Befahren von Küstengewässern und Bundeswasserstraßen mit starkem Schiffsverkehr. Unterweser und Unterelbe sind meerähnliche Gewässer! Viel Berufsschifffahrt!

Ausrüstung. Seetaugliche Boote, Schwimmweste, Leuchtraketen, Bootswagen, Flussführer/-karten, Tidenkalender, Radio; Zelt, Kochausrüstung, Wasservorrat

Seewetterbericht. Der Seewetterbericht von Deutschlandfunk/DeutschlandradioBerlin ist die beste Möglichkeit an brauchbare Informationen zu den Windverhältnissen auf der Unterweser/-elbe zu gelangen. Entscheidend sind die Angaben für die Deutsche Bucht. Zu hören täglich um 1:05 Uhr, 6:40 Uhr, 11:05 Uhr, 21:05 Uhr auf folgenden Frequenzen: LW 177 kHz, MW 1269 kHz, KW 6005 kHz, 6190 kHz.

Weitere Möglichkeiten sind der normale Wetterbericht dieser Sender (auch UKW) und von NDR4-Info. externer Linkhttp://www.d-radio.de/

Material. Kanu-Wanderbuch für Nordwestdeutschland (Hamburger Kanu-Verband, ISBN 3-9804407-1-0), Jübermann-Wassersport-Wanderkarte 1 BRD Nordwest, Gezeitenkalender (erhältlich im Buchhandel) oder Tafeln unter externer Linkhttp://www.bsh.de/.

Tagesetappen Norddeutschlandrundfahrt 2002

Diese beispielhaften Etappen sind im Zusammenhang mit dem Fahrtenbericht zu sehen.

Tag

Strecke

Mittagspause

Kilometer

Gesamt

Abendessen

1

Thune - Aller km 137,1

Volkse

42,5

42,5

Kapü, Brokkoli, Soße fällt aus

2

Mittelaller km 137,1 - Schleuse Bannetze

Celle

50,2

92,7

Spaghetti, Zwiebel-Pesto-Soße

3

Schleuse Bannetze - Frankenfeld

Fähre Eickeloh

51,5

144,2

Reis, Kohlrabi, weiße Soße, Vanille-Pudding

4

Frankenfeld - Wiking Faltbootwanderer

kurz hinter Verden

70,2

214,4

Nudeln, Tomatensoße (Zuchini,...)

5

Wiking Faltbootwanderer - DJK Lemwerder

 

28,8

243,2

 

6

DJK Lemwerder - WSV Nordenham

auf der Weser

36,9

280,1

Blumenkohl-Brokkoli-Suppe, Knödel, Rotkohl, Soße

7

WSV Nordenham: Ruhetag

 

 

 

Risotto

8

WSV Nordenham - WSV Bederkesa

Schiffdorfer-Stau-Schleuse

37,7

317,8

Milchreis

9

WSV Bederkesa - TSV Otterndorf

km 17

30,4

348,2

Kouskous-Möhren-Gemüse

10

TSV Otterndorf - Yachthafen Wischhafen

auf der Elbe

42,8

391

Kapü, Erbsen, Soße

11

Yachthafen Wischhafen - Hanskalbsand

auf der Elbe

36,6

427,6

 

12

Hanskalbsand - Oevelgönne

Oevelgönne

16,1

443,7

Brot, Käse

13

Oevelgönne - Laßrönne

WV Süderelbe

30,4

474,1

Reis, Bohnen, Zwiebeln, braune Soße

14

Laßrönne - ESK 102,7

KC Geesthacht

35

509,1

Brot, Käse

15

ESK 102,7 - ESK 66,1

auf dem ESK

36,6

545,7

Auberginen, ...?

16

ESK 66,1 - )=( Schönewörde

auf dem ESK

36,8

582,5

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